Adolf Kolping Bio
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Keine wahre Liebe ohne Gerechtigkeit und keine wahre Gerechtigkeit ohne Liebe.

Adolph Kolping (1813 - 1865)
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Am Anfang stand der Gesellenverein

Regener Kolpingsfamilie kann in diesem Jahr feiern – Teil 1 der Serie zum 75-jährigen Bestehen

 Hans Vogl  28.02.2022 | Stand 27.02.2022, 19:25 Uhr

Die Vereinslokale des Gesellenvereins, Haushofer/Winter am Moizerlitzplatz (links) und Wittmann am Sand. – Repros: Hans Vogl

Regen. Seit 75 Jahren besteht die heutige Kolpingsfamilie Regen – deren Geschichte reicht allerdings viel weiter zurück. Nämlich zum Regener Gesellenverein des 19. Jahrhunderts.

Die Gründung der Gesellenvereine ging auf die Initiative von Adolph Kolping zurück, der zunächst Schuhmacher war, dann aber die Berufung zum Priester verspürte. Nach Abitur und Studium wurde er im Jahr 1845 zum Priester geweiht. Schon in jungen Jahren hatte er die Not der Gesellen kennen gelernt und als Seelsorger empfand er diese große soziale Frage immer drängender. Er setzte sich deshalb für die Gründung von Vereinen ein, die den Gesellen vor allem in der Zeit der Wanderschaft familiären Halt geben sollten. Dies tat er rastlos und ohne Rücksicht auf seine angegriffene Gesundheit. Als er 1865 im Alter von erst 52 Jahren verstarb, waren bereits 418 Gesellenvereine entstanden.

Der Regener Gesellenverein wurde im Juli 1861, also noch zu Lebzeiten Kolpings, gegründet. Erstes Vereinslokal war ein Gasthaus am jetzigen Moizerlitzplatz. Mitte 1862 lag die Mitgliederzahl bereits zwischen 60 und 70. Im Oktober 1865 wurde die neue Fahne geweiht. Über das Vereinsgeschehen gibt es nur wenig Informationen, denn Protokollbände liegen erst ab 1904 vor. Man kann aber davon ausgehen, dass man sich um die durchreisenden Gesellen kümmerte, sich bei den regelmäßigen Zusammenkünften traf, die Geselligkeit pflegte und sogar Theater spielte.

Adolph Kolping

Einer Notiz in der Lokalzeitung aus dem Jahr 1900 ist zu entnehmen, dass das erste Kreuz auf dem Pfahl bei Weißenstein vom Orgelbaumeister Edenhofer unter Mitwirkung des katholischen Gesellenvereins errichtet wurde, also in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 1911 wurde in festlicher Weise das 50-jährige Gründungsjubiläum gefeiert, bei dem 37 Vereine anwesend waren.Im Ersten Weltkrieg hatte der Gesellenverein 13 gefallene Mitglieder zu beklagen. Es folgten die harten Nachkriegsjahre mit zunehmender Teuerung und schließlich sogar einer Hyperinflation. Man musste deshalb sogar auf die Monatsversammlungen verzichten. Erst ab 1924 kam es wieder zu einer allmählichen Normalisierung. Vom April 1924 an war der Gasthof Wittmann am Sand das Vereinslokal. Peter Wittmann wurde bei einer Jahresversammlung besonders und mit einem „Vergelts Gott“ dafür gedankt, dass er „in hochherziger Weise unseren durchreisenden Gesellen Übernachtung und Verpflegung kostenlos leistete“.

Von der Machtübernahme an nahmen die Nationalsozialisten systematischen und totalen Einfluss auf alle Lebensbereiche. Die traditionellen Strukturen wurden gleichgeschaltet und die Tätigkeit der Vereine wurde rücksichtslos beendet. Ein Indiz dafür ist der letzte Eintrag im Protokollbuch des Gesellenvereins über die 71. Generalversammlung am 17. März 1935.

Das Ende des Vereins kam offenbar abrupt. Der Kassenbestand sollte noch vor der Beschlagnahme gesichert werden, was anscheinend nicht gelang. Doch letztlich konnte der Betrag von „weit über 300 RM“ für den damaligen Erweiterungsbau der Pfarrkirche zur Verfügung gestellt werden. Die Akten und die Vereinsfahne wurden in einem Privathaus verwahrt, gingen aber verloren, als dieses Haus am 24. April 1945 abbrannte.