Adolf Kolping Bio
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Wenn auch die Zeiten noch so trübe scheinen, ich halte sie nicht für so schwarz, als sie gemalt werden.

Adolph Kolping (1813 - 1865)
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Großeltern zum Ausleihen

Die Kollmaiers kümmern sich regelmäßig um den kleinen Max – „Ein großes Geschenk“

Ab und zu braucht es zum Enstpannen den „Dietzl“: Leih-Opa Sepp Kollmaier ist mit dem Schnuller für Max zur Stelle. Monika Kollmaier lacht dazu. – Fotos: Menigrat

Monika und Sepp Kollmaier lieben ihre Enkelin Mia von ganzem Herzen, aber es gibt ein Problem: Die Siebenjährige wohnt mit ihren Eltern im 600 km entfernten Siegen, so dass Oma und Opa sie meist nur wenige Male im Jahr zu Gesicht bekommen. Dabei sind die Kollmaiers „stocknarrisch“ mit Kindern und begeisterte Großeltern. Nun aber können sie genau als solche regelmäßig zum Einsatz kommen: Denn sie haben jetzt einen „Leih-Enkel“, den knapp dreijährigen Max.

„Jeder Tag plätschert einfach so dahin, aber mit einem Enkelkind hat man eine Aufgabe, die einen bereichert“, davon ist Sepp Kohlmaier überzeugt. Als der 68-jährige und seine Frau im Frühjahr im Bayerwald-Boten einen Artikel über die Initiative „Leih-Großeltern“ der Kolpingsfamilie Regen gelesen hatten, da mussten sie nicht lange überlegen und vereinbarten ganz schnell mit der Initiatorin Rita Koller einen Vorstellungstermin.

Die Regnerin hat vor sechs Jahren zusammen mit der Kolpingsfamilie den ehrenamtlichen Großelterndienst aufgebaut. „Mittlerweile konnten wir Leih-Großeltern oder auch nur eine Oma oder einen Opa an 17 Familien im Landkreis vermitteln“, freut sich Rita Koller. Die Nachfrage sei allerdings viel größer als das Angebot. „Wir suchen weiter dringend nach Teilzeit-Omas und –Opas“, betont sie.

Keine Kosten für die Familien

Leih-Großeltern betreuen die Kinder ehrenamtlich. Für die Familien, deren Kind beaufsichtigt wird, fallen keine Kosten an. Der angestrebte zeitliche Rahmen ist etwa ein halber Tag in der Woche. Näheres wird dann von den Familien selbst mit den Leih-Großeltern vereinbart. Betreut werden Kinder bis zu einem Alter von 14 Jahren.

Zufällig erfuhr Martina Dimpfl die ebenfalls in Lindberg wohnt, dass Monika und Sepp Kollmaier sich als Leih-Großeltern angemeldet hatten. Sie sprach die beiden an und da man sich sofort sympathisch war, gab es bald ein näheres Kennenlernen mit kurzen Treffen und Spaziergängen. Der kleine Max hatte keine Berührungsängste und fühlte sich von Anfang an wohl bei den neuen Großeltern.

Für die berufstätigen Eltern Max Schmid und Martina Dimpfl sind Oma Monika und Opa Sepp wie ein Sechser im Lotto. „Wenn Max in der Krippe krank wird oder ich außertourlich in die Arbeit muss, dann rufe ich bei den Kollmaiers an und sie holen sofort meinen Kleinen“, erzählt Martina dankbar. Sie hat einen Halbtagsjob, muss aber zwei Mal die Woche Vollzeit arbeiten. Darum suchte die junge Frau für Ihren Sohn eine Betreuungsmöglichkeit. Ihre Eltern leben nicht mehr und die Mutter von Partner Max kann aus Altersgründen den fast dreijährigen Enkel nicht mehr versorgen.

Um 14 Uhr holen Oma Monika und Opa Sepp den kleinen Max vom Kindergarten ab, dann geht es in aller Regel nach Zwiesel zum „Antal fuadan“ (Enten füttern) und anschließend auf den Spielplatz. Sepp Kollmaier ist der Spielkamerad für Max, Monika vor allem die Oma, mit der man kuscheln kann und von der man beschützt wird. Max hält seinen Leih-Opa ganz schön auf Trab: Er spielt mit Sepp Kollmaier Feuerwehrauto, Verstecken, Turnen auf Spielgeräten und im Sommer planschen die zwei im Wasser.

Nach dem Spielen geht es meistens ins Café, wo Max mit Vorliebe einen Donut verspeist. Und weil so ein Nachmittag müde macht, kuscheln sich Oma, Opa und Max anschließend daheim aufs Sofa, bis Mama oder Papa kommt und den Kleinen nach Hause bringt.

„Oma und Opa tun ihm einfach gut“

„Wenn wir Max von den Kollmaiers abholen, dann ist er immer ganz fröhlich und ausgeglichen. Oma und Opa tun ihm einfach gut“, sagen die Eltern und fügen hinzu: „Wir können über alles reden und haben auch was die Erziehung betrifft die gleiche Einstellung.“ Außerdem – und das ist am wichtigsten – haben Max`Eltern vollstes Vertrauen in die Leih-Großeltern und können daher mit gutem Gewissen zur Arbeit gehen.

Die Kollmaiers genießen ihre selbst gewählten Oma- und Opa-Pflichten sehr und unternehmen allerhand mit ihrem „geborgten“ Enkelsohn. „Wir sind mit ihm schon nach Deggendorf zum Essen gefahren und nach Lohberg in den Tierpark. Wir gehen mit ihm einkaufen und nehmen ihn auch sonst überallhin mit“, berichtet Sepp Kollmaier. Wenn Enkeltochter Mia zu Besuch kommt und Max auch da ist, dann geht es richtig rund im Hause Kollmaier. Die beiden Kinder haben sich auf Anhieb verstanden.  Beim Spielen ist Opa Sepp natürlich immer dabei, Monika versorgt die Rasselbande mit Essen, Eis und Getränken.

Wenn Monika und Sepp Kollmaier über ihr Leih-Enkelkind sprechen, kommen sie regelrecht ins Schwärmen: „Max ist gut erzogen, sagt bitte, danke und fragt, bevor er etwas tut. Der Kleine ist so, wie man sich ein Enkelkind wünscht“. Sie genießen jeden Tag mit ihm und hoffen, dass sie noch lange gesund bleiben, damit sie Max beim Aufwachsen begleiten dürfen. „Dass wir wieder Weihnachten mit einem Kind erleben dürfen, das ist für uns ein großes Geschenk“, sagt die 66jährige Leih-Oma glücklich.

So funktioniert das Projekt

Was benötigen Leih-Großeltern?

Zuerst füllt man einen Fragebogen aus, damit die passende Familie gesucht werden kann. Man muss mit einer entsprechenden Bestätigung der Kolpingsfamilie ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis bei der jeweiligen Gemeinde beantragen sowie ein ärztliches Attest vorlegen, aus dem hervorgeht, dass gegen die Betreuung von Kindern keine Bedenken vorliegen. Die Kosten übernimmt die Kolpingsfamilie Regen. Beim Zustandekommen ist dann noch eine Schweigepflichtserklärung zu unterschreiben.

Was müssen die Familien beitragen?

Die Familien füllen auch einen kleinen Fragebogen aus, damit der Bedarf richtig eingeschätzt werden kann. Und wenn dann die nach Einschätzung passenden Leih-Großeltern gefunden sind, wird ein erstes Treffen organisiert. Vor dem ersten Einsatz füllen die Familien ein so genanntes Notfallblatt aus, mit Angaben wie: Wo erreiche ich die Eltern, wenn mal was passiert? Wer ist der Hausarzt? Nimmt das Kind Medikamente, hat es Allergien? Und dergleichen mehr.

Für weitere Informationen kann man sich an Rita Koller wenden unter 09921-3231.

Wenn Martina Dimpfl ihren Max bei den Kollmaiers abholt, ist er immer ganz ausgeglichen und fröhlich.

Auszug aus dem Bayerwaldboten vom 27.11.2020