Adolf Kolping Bio
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Schön reden tut’s nicht, die Tat ziert den Mann!

Adolph Kolping (1813 - 1865)
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Ein Stück Nockherberg in Regen

Wuchsen bei der Kolping-Josefifeier über sich hinaus: (von links) Elisabeth Seidl, Christian Koller, Sonja Kißlinger und Stephan Reindl. − Foto: Eichmann

„Standing Ovations“ bei der Kolping-Josefifeier – 170 Besucher beim Starkbieranstich mit Derblecken

von Karl-Heinz Barth

Regen. Fast auf den Tag genau konnte die Regener Kolpingsfamilie am vergangenen Samstag ihre Feierlichkeiten zu Ehren des Schutzpatrones des Kolpingwerkes, des Hl. Josefs, feiern. Traditionsgemäß begann die Josefifeier mit dem Vorabendgottesdienst in der Stadtpfarrkirche, den Prälat und Kolping-Präses Ludwig Limbrunner wieder sehr eindrucksvoll und emotional gestaltete. Der Kolpingchor unter der Leitung von Stephan Reindl hatte wieder sehr schöne Kirchenlieder einstudiert.
Der Starkbieranstich mit Derblecken und kabarettistischem Singspiel war Mittelpunkt der weltlichen Feier, die musikalisch von der Kattersdorfer Klarinettenmusik umrahmt wurde. Kolping-Vorsitzender Karl-Heinz Barth konnte über 170 Gäste im fast vollen Kolpingsaal begrüßen.
Die künstlerische Leitung war wieder bei Christian Koller in bewährten Händen. Er setzte nicht nur zu politischen Seitenhieben an, sondern schrieb auch das Libretto für das Singspiel. Stephan Reindl begleitete am Keyboard mit bekannten Schlagermelodien, aber auch mit eigenen Kompositionen. Mit Sonja Kißlinger und Elisabeth Seidl hatte man diesmal zwei Virtuosinnen der hohen Stimmen gewinnen können.
Mit der dargebotenen Qualität – stimmlich und inhaltlich – wurden im Publikum Vergleiche zu den Profis am Münchner Nockherberg sehr oft artikuliert. „Mei o mei, was ist aus unsere Werte worn?“ So lautete das zentrale Thema der Darbietung. Koller verstand es hervorragend, mit den aktuell agierenden Demagogen und Populisten nicht nur Lacher, sondern auch Nachdenklichkeit zu erzeugen. Natürlich musste dabei der neu gewählte amerikanische Präsident Donald Trump für so manches herhalten. Elisabeth Seidl meinte dazu, man könne bei uns als Horrorclown an Halloween Passanten zu Tode erschrecken, in Amerika könne man es als solcher sogar bis zum Präsidenten schaffen.

Sonja Kißlinger nahm Günther Öttinger aufs Korn, als er nach Vorbereitung mit seinem Englischlehrer Lothar Matthäus seine Schlitzaugenrede hielt. Laut Koller mache es Horst Seehofer seinem amerikanischen „Liebling“ nach, nämlich mit der neuen Parole „Bayern first“. Er ginge sogar mit Angela Merkl vor den Traualtar, wenn nur dies dem Wahlsieg garantiere, „eine Art politscher Prostitution“.
Im dreistimmigen Singspiel wurde die Schulpolitik durchleuchtet: „Was geht an Seehofer d’Schui a“, wenn er eh nichts davon verstünde, war der Refrain des Liedes. Dann folgte wieder ein Koller-Solo: Althergebrachte Begrifflichkeiten, die man heute nicht mehr verwenden darf, waren hier die zentrale Botschaft. So müsse man heute Indianer Native Americans, Eskimos Inuits nennen, und das alte Zigeunerschnitzel mit der leckeren Zigeunersauce heiße jetzt Sinti-Schnitzel in Roma-Dip. Da sei das Wort „alt“ auch diskriminierend. Da die Bewohner von Altenheimen meist keine Mamis und Papis mehr haben, könne man diese Einrichtungen in Waisenhaus umbenennen. Mit der Problematik um den Raindorfer Negerball landete man schließlich in der Heimat.
Im folgenden Solo stellte Elisabeth Seidl fest, dass es der Passauer Bischof weiter gebracht habe als Kardinal Müller in Rom, denn ein Pferdeumritt in Regen sei nach Oster benannt worden. Müller warte noch heute, in Bad Kötzting zu einer ähnlichen Ehre zu gelangen. Sonja Kißlinger nahm sich das Lutherjahr vor. Vor 500 Jahren wurden die 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche genagelt. Bei den Katholen dürfe der Pfarrer nicht selber nageln, höchstens der Mesner.

Christian Koller stellte fest, dass der Ehrenvorsitzende Heinz Degen von der Oberpfalzmetropole Regensburg wegen den schon damals sich abzeichnenden Sümpfen wie Schmiergeldaffäre, Krematoriumsskandal und Pädophilenvorwürfe mit Hilfe der Schlepperorganisation „Deutsche Bundespost“ nach Regen geflüchtet sei. Sein Nachfolger Karl-Heinz Barth, stammend aus Bodenmais, mache „sched“ geringfügige Integrationsfortschritte. Der wiedergewählte Zwieseler Bürgermeister plane jetzt den „Zwexit“, weil er neben der Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald jetzt auch noch den Landkreis Regen verlassen möchte.
Dann kam das Parade-Solo von Elisabeth Seidl, als sie Monika Gruber mit der Rolle der Harmonika Huber parodierte. „Alles Oswald. Beim Durst musst zum Oswald, auch beim Hunger, bei kaputten Schuhen, bei Busunternehmen und bei Landmaschinen.“ Gott sei Dank gebe es am Regener Stadtplatz den netten Türken Jeff, der ihr die unterschiedlichen Oswalds erklärte. Auch die Dame mit krausem Haar stellte er ihr vor: ,Sie heißt Ilse!‘“
Beim anschließenden Koller-Solo bekamen Otto Gabauer, 2. Bürgermeister Sepp Weiß und Lehrgangsleiter Norbert Loibl ihren Teil ab. Der Tombolapreis Lockenwickler nütze den Letztgenannten nicht mehr viel, weil sie schon so plattert sind. Der erstgenannte gründete die Sportfreunde Lotte, weil er sich immer nach dem Lehrersport mit seinen Kameraden bei der Richter Lotte zur Currywurst und Bier treffe.
Der Landrat habe sich figürlich auch sehr verändert. So brauche er schon zwei Passbilder im Ausweis, weil auf eins das Gesicht nicht mehr drauf passe. Minister Brunner bringe es da sogar schon auf ein Fotoalbum.
Jetzt sollte ein Gast, Peggy aus Sachsen, gespielt von Sonja Kißlinger mit perfekt parodiertem Sächsisch, seinen Auftritt bekommen. Koller fragte in die Runde: „Ist die Pegi da?“ Die Lüüschenprässe war ihr zentrales Thema. Nicht nur die große Politik, sondern auch der Klerus und die städtischen Probleme um das neue Grüne Zentrum wurden hier aufs Korn genommen.
Auch wenn man bei dieser Darbietung viel lachen konnte, versäumte es Christian Koller nicht, auch die Ernsthaftigkeit seiner heutigen Darbietungen mit einem kleinen Gedicht klar herauszustellen. Mit „Setzt auf Ehrlichkeit again, tut’s nicht Demagogen wähln, tut’s auf unsere Werte zähl’n, macht die zehn Gebote für’s Zusammenleben wieder great again.“, endete das Derblecken.
Natürlich forderte das Publikum frenetisch nach Zugaben. Nach einem Best Of aus den letzten Jahren quittierte das Publikum den gelungen Abend mit langen stehenden Ovationen, ein Novum bei der Kolping-Josefifeier.